Gedicht

In Weimar im Februar

In Weimar war’s, im Februar,
da sprach der Goeth’ zum Schill’: „Ach ja!
Wollt’ gestern ein Gedicht verfassen,
jedoch ich musst’ es bleiben lassen.

Es sollt’ was sein mit Vat’ und Kind,
welch’ reiten spät durch Nacht und Wind.
Der Vat’ trägt s’Kindchen auf’m Arm
und hält es, da es kalt ist, warm.

Der Knabe ist mit Fieber krank
und seine Nerven liegen blank.
Er sagt zum Vater: „Schau doch mal!
Da drüben steht der Rübezahl.“

Der Vater sagt: „Das stimmt nicht ganz.
Erlkönig ist’s mit Kron’ und Schwanz.
Und das da vorn’ sind seine Töchter.“
Den Knaben grauset’s; fliehen möcht’ er.

Er sieht nun alles ganz genau.
Es scheinen alte Weiden so grau
an diesem schaurig-düstern Ort…
das war dann auch mein letztes Wort.

Die Muse war das Küssen satt,
und ich schrieb nur noch Schrott aufs Blatt.
So konnte ich nicht weiter schreiben
und ließ es schließ- und endlich bleiben.

Drauf sprach der Schill’ zum Goeth’: „So eben
ist eines Dichtermannes Leben.
Man reimt mit seiner ganzen Kraft,
dabei man manch’ Gedicht erschafft,

das man mit inniglicher Brunst
veredelt hin zu höchster Kunst.
Doch ist erreicht der letzte Reim,
geht man am Besten – auf ein Bier.“

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