Gedicht

In Weimar im Mai

In Weimar war’s im Monat Mai,
es war g’rad’ der April vorbei,
als Goeth’ und Schill’ zusammensaßen
und deft’ge Kost zu Mittag aßen.

Vor ihnen dampften die zerstampften
Kartoffeln, und genüsslich mampften
und schlangen beide voller Gier
Eisbein mit Kraut. Dazu gab’s Bier,

auf dass das Essen schneller gleite
hinab in ihrer Mägen Breite.
Die beiden hauten kräftig rein,
als würd’s die letzte Mahlzeit sein.

Als Nachtisch gab es Bayrisch Creme,
und da wurd’s langsam unbequem.
Wer sich mit Essen vollgedröhnt,
darf sich nicht wundern, wenn er stöhnt

und wenn die Hose nicht mehr passt,
weil man zu üppig nachgefasst.
Der Ober kam und frug die Zwei,
ob noch etwas gefällig sei.

„Vielleicht ein Schnäpschen noch, die Herrn?“
Die beiden sagten: „Ja, sehr gern!
Für jeden einen Doppelkorn
und dann, Herr Ober – nochmal von vorn.“

In Weimar war’s im Monat Mai,
es war g’rad’ der April vorbei,
als Goeth’ und Schill’ zusammensaßen
und deft’ge Kost zu Mittag aßen.

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